„Hillbilly Elegy“

Von J. D. Vance | Harper

Gewalt, Drogen, Kriminalität und ununterbrochenes Geschrei in der neighbourhood. Das ist die Welt im Rust Belt, in der J.D. Vance aufwächst. Seine Zuflucht ist seine Großmutter, ohne die es ihm vermutlich so gegangen wäre, wie vielen seiner Mitschüler. Kein Abschluss, lebenslange Hilfsjobs, wenn überhaupt. Das ist amerikanisches Prekariat, ohne Perspektive, ohne Ausbildung. Sie nennen sich Hillbillies. Der Autor übersteht die ständig wechselnden Männer seiner Mutter und schafft den Weg aus dem Sumpf. Er macht seinen Abschluss in Jura in Harvard und liefert eine messerscharfe Analyse dieses oft übersehenden Teils der amerikanischen Gesellschaft. Ich habe mich beim Lesen immer wieder dabei ertappt, dass ich dachte, die beschriebenen Menschen seien alle schwarz. Was für ein Klischee: Sie sind weiß und Hoffnung auf Eigenantrieb gibt es kaum. Vance ist natürlich das beste Gegenbeispiel. Er hat sich seinen amerikanischen Traum erfüllt. Er hatte eine stabile Bezugsperson, seine Mamaw, seine Großmutter. Ihr Porträt hat mich am meisten beeindruckt. Auch, dass Vance das Buch nicht von oben herab geschrieben hat, sondern voller Empathie. Er hat nie vergessen, wo er herkommt. Ein Buch für alle, die immer noch versuchen, die USA zu verstehen. Den Teil, den wir nicht im Blick haben, da er nicht in Kalifornien oder an der Ostküste liegt. Ein Schlüsselbuch fürs Wahljahr, good luck. Übrigens: Viele unabhängige Buchhandlungen liefern momentan versandkostenfrei, Lesekissen @larapintaliving .